Simultan, Konsekutiv, Flüsterdolmetschen: was Sie für Ihren Termin brauchen
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6. September 2026·6 Min. Lesezeit

Simultan, Konsekutiv, Flüsterdolmetschen: was Sie für Ihren Termin brauchen

Wer zum ersten Mal eine Dolmetscherin bucht, hört schnell drei Begriffe: simultan, konsekutiv, flüstern. Dahinter stehen drei Arbeitsweisen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen an Technik, Zeit und Besetzung. Welche davon die richtige ist, hängt weniger vom Budget ab als vom Anlass: Eine Gerichtsverhandlung braucht etwas anderes als eine Fachkonferenz oder ein Werksrundgang mit einer Delegation. Dieser Artikel erklärt die Dolmetscharten, die dazugehörige Technik und was Sie uns vorab schicken sollten, damit der Termin gelingt.

In diesem Artikel

  • •Die drei Dolmetscharten im Überblick
  • •Video und Telefon als weiterer Weg
  • •Technik: Kabine und Personenführungsanlage
  • •Teamgröße und Pausen beim Simultandolmetschen
  • •Empfehlung je nach Anlass und Vorbereitung

Konsekutivdolmetschen: nacheinander, mit Notizen

Beim Konsekutivdolmetschen spricht zuerst die Rednerin oder der Redner, dann folgt die Verdolmetschung. Bei kurzen Gesprächsabschnitten, etwa in einer Einvernahme oder beim Arztgespräch, wird satzweise oder in kleinen Abschnitten gedolmetscht. Bei längeren Passagen, etwa einer Ansprache, arbeitet die Dolmetscherin mit einer eigenen Notizentechnik und gibt Abschnitte von mehreren Minuten am Stück wieder.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Es braucht keine Technik, jede Person im Raum hört beide Sprachen, und die Dolmetscherin kann bei Unklarheiten nachfragen. Der Nachteil ist die Zeit. Rechnen Sie grob mit der doppelten Dauer gegenüber einem einsprachigen Gespräch. Für Gericht, Polizei, Krankenhaus, Jugendamt, Notariat und Standesamt ist Konsekutiv trotzdem der Standard, weil dort jedes Wort protokolliert wird und Genauigkeit vor Tempo geht.

Simultandolmetschen: gleichzeitig, aus der Kabine

Beim Simultandolmetschen wird gleichzeitig mit der Rednerin gesprochen, mit einer Verzögerung von wenigen Sekunden. Die Dolmetscherinnen sitzen in einer schallisolierten Kabine, hören das Saalmikrofon über Kopfhörer und sprechen in ein eigenes Mikrofon. Das Publikum wählt am Empfänger den gewünschten Kanal. Die Veranstaltung verliert dadurch keine Zeit, und mehrere Sprachen können parallel laufen.

Diese Arbeitsweise ist kognitiv die anspruchsvollste und wird im Konferenzdolmetschstudium, wie ich es an der Universität Graz abgeschlossen habe, über Jahre trainiert. Sie ist die richtige Wahl für Konferenzen, Fachtagungen, Podiumsdiskussionen, Generalversammlungen und Schulungen mit vielen Zuhörerinnen und Zuhörern. Für Arabisch kommt sie häufig bei internationalen Organisationen, Ministerien und Delegationsbesuchen zum Einsatz.

Flüsterdolmetschen: simultan ohne Technik

Flüsterdolmetschen, auch Chuchotage genannt, ist Simultandolmetschen ohne Kabine. Die Dolmetscherin sitzt neben oder leicht hinter der Person, die die Verdolmetschung braucht, und spricht ihr leise und gleichzeitig ins Ohr. Das funktioniert für eine Person, mit Einschränkungen für zwei. Ab drei Zuhörerinnen wird es für alle im Raum störend und für die Dolmetscherin akustisch schwierig.

Typische Einsätze sind ein arabischsprachiges Delegationsmitglied in einer deutschsprachigen Besprechung, eine Angeklagte, die der Verhandlung folgen soll, während andere aussagen, oder ein Gast bei einer Festveranstaltung. Flüsterdolmetschen ist belastend, weil die Dolmetscherin ohne Kopfhörer gegen den Raumschall arbeitet. Für Einsätze über eine Stunde planen wir deshalb Pausen ein oder ergänzen eine Personenführungsanlage.

Ferndolmetschen: Video und Telefon

Video und Telefon sind keine eigene Dolmetschart, sondern ein anderer Übertragungsweg. Über Zoom, Teams und ähnliche Plattformen kann konsekutiv gedolmetscht werden, und Zoom bietet außerdem eigene Dolmetschkanäle, über die simultan gearbeitet wird, ähnlich wie mit einer Kabine. Am Telefon ist nur Konsekutiv möglich, weil alle Beteiligten dieselbe Leitung teilen.

Ferndolmetschen eignet sich für kurze Behördengespräche, Nachbesprechungen im Krankenhaus, Erstgespräche mit Klientinnen und für alles, was kurzfristig anfällt: Remote-Termine lassen sich oft innerhalb weniger Stunden organisieren. Die Grenzen liegen bei schlechter Tonqualität, vielen gleichzeitig sprechenden Personen und bei Situationen, in denen Mimik und Körpersprache eine große Rolle spielen, etwa in psychologischen Gesprächen oder bei Kindern.

  • Stabile Internetverbindung und Headset auf allen Seiten
  • Nur eine Person spricht gleichzeitig, das gilt auch für Rückfragen
  • Dokumente, die besprochen werden, vorab als Datei schicken statt sie in die Kamera zu halten

Technik: Kabine, Personenführungsanlage und was dazwischen liegt

Für Simultandolmetschen bei Konferenzen braucht es eine Dolmetschkabine nach ISO-Norm, entweder fest im Saal eingebaut oder als mobile Kabine aufgestellt, dazu eine Tonanlage mit Saalmikrofonen, Dolmetschpulten und Empfängern mit Kopfhörern für das Publikum. Diese Technik wird in der Regel von einem Konferenztechnikanbieter gestellt und betreut. Wir stimmen den Aufbau mit Ihnen und dem Anbieter ab, die Technikmiete ist aber ein eigener Posten neben dem Dolmetschhonorar.

Die Personenführungsanlage, oft PFA oder Flüsterkoffer genannt, ist die kleine Schwester der Kabine. Die Dolmetscherin spricht in ein tragbares Funkmikrofon, die Zuhörerinnen tragen Empfänger mit Ohrhörern. Es gibt keine Schallisolierung, die Dolmetscherin hört das Original direkt im Raum. Für Betriebsbesichtigungen, Stadtführungen, Werksrundgänge, Schulungen in kleinen Gruppen und Delegationen bis etwa zwanzig Personen ist das die passende Lösung. In lauten Umgebungen und bei langen Redebeiträgen stößt die PFA an Grenzen, dann ist die Kabine besser.

Faustregel: Bewegt sich die Gruppe, nehmen Sie die Personenführungsanlage. Sitzt das Publikum länger als eine Stunde im Saal, planen Sie eine Kabine.

Teamgröße und Pausen beim Simultandolmetschen

Simultandolmetschen lässt sich nur begrenzte Zeit in hoher Qualität durchhalten. International üblich ist deshalb, dass pro Sprache und Kabine zwei Dolmetscherinnen arbeiten, die sich etwa alle 20 bis 30 Minuten abwechseln. Die Kollegin, die gerade nicht spricht, hört weiter mit, notiert Zahlen und Namen und hilft bei Fachbegriffen. Diese Besetzung ist keine Bequemlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass am Nachmittag noch dieselbe Qualität geliefert wird wie in der ersten halben Stunde.

Eine einzelne Dolmetscherin ist beim Simultandolmetschen nur für kurze Einsätze vertretbar, in der Regel bis etwa 30 bis 45 Minuten ohne Unterbrechung, etwa für eine Eröffnungsrede oder eine kurze Pressekonferenz. Beim Flüsterdolmetschen gilt Ähnliches. Beim Konsekutivdolmetschen kann eine Person deutlich länger arbeiten, weil die Redepausen Erholung bringen, aber auch hier sind bei ganztägigen Einsätzen regelmäßige Pausen sinnvoll.

  • Halbtagskonferenz mit einer Arbeitssprache: zwei Dolmetscherinnen in der Kabine
  • Ganztägige Veranstaltung mit mehreren Sprachen: je Sprachpaar ein Zweierteam, bei sehr langen Tagen eventuell drei Personen
  • Kurze Grußworte oder Ansprachen bis etwa einer halben Stunde: eine Dolmetscherin ist vertretbar

Welche Dolmetschart für welchen Anlass

Die folgende Übersicht hilft bei der Entscheidung. Im Zweifel beraten wir Sie gern, denn manchmal ist eine Mischform am sinnvollsten, zum Beispiel Flüstern während der Diskussion und Konsekutiv für den eigenen Redebeitrag.

  • Gericht und Polizei: Konsekutiv für Einvernahmen und Zeugenaussagen, Flüstern für die Partei, die der Verhandlung folgen soll. Für gerichtliche Verfahren werden in der Regel allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Dolmetscherinnen beigezogen, klären Sie das mit dem Gericht
  • Krankenhaus und Arztpraxis: Konsekutiv in kurzen Abschnitten, damit Rückfragen möglich sind. Kurze Nachbesprechungen auch per Video
  • Konferenz und Tagung: Simultan aus der Kabine mit einem Zweierteam je Sprache
  • Delegation und offizieller Besuch: Konsekutiv für Reden und Tischgespräche, Flüstern oder Personenführungsanlage während Besichtigungen und Sitzungen
  • Geschäftsbesprechung und Verhandlung: Konsekutiv bei bis zu etwa sechs Personen, Flüstern, wenn nur eine Person Arabisch braucht
  • Standesamt: Konsekutiv bei Anmeldung und Trauung. Manche Standesämter verlangen eine beeidete Dolmetscherin, fragen Sie vorab nach
  • Jugendamt, Behörden, Notariat: Konsekutiv, oft mit Vorlesen und Erklären von Schriftstücken

Was Sie uns vorab schicken sollten

Gute Verdolmetschung entsteht vor dem Termin. Eine Dolmetscherin, die das Programm, die Namen und die Fachbegriffe kennt, arbeitet präziser und schneller. Alles, was Sie uns schicken, bleibt vertraulich, auf Wunsch mit Geheimhaltungsvereinbarung.

  • Programm oder Tagesordnung mit Uhrzeiten und Rednerliste
  • Präsentationen, Redemanuskripte und Handouts, auch als Entwurf
  • Interne Glossare, Abkürzungen, Produkt- und Projektnamen
  • Protokolle früherer Sitzungen, wenn der Termin daran anschließt
  • Bei Gericht und Behörden: Aktenzahl und Gegenstand, soweit Sie ihn nennen dürfen
  • Im Krankenhaus: Fachgebiet und, wenn möglich, worum es im Gespräch gehen wird
  • Für Video: Plattform, Zugangslink und eine Kontaktperson für technische Fragen
Schicken Sie die Unterlagen möglichst einige Tage vor dem Termin. Für Vor-Ort-Einsätze bitten wir um Anfragen mindestens 48 Stunden im Voraus, Ferntermine sind oft kurzfristiger möglich. Und nennen Sie uns den Dialekt, wenn Sie ihn kennen: Ob die Gesprächspartner aus Syrien, dem Irak, Ägypten oder den Golfstaaten kommen, beeinflusst die Vorbereitung.

Sie planen einen Termin und sind unsicher, welche Dolmetschart passt? Schildern Sie uns Anlass, Ort, Dauer und Teilnehmerzahl. Wir empfehlen die passende Lösung und kümmern uns auf Wunsch auch um die Technik.

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